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Recruiter Slam 2015: Erster Platz für unseren Henrik

Recruiter Slam 2015: Erster Platz für unseren Henrik

Gesellschaftskritisches Gedicht gewinnt den Titel

Wir haben einen Champion im Team und wir freuen uns riesig: Beim Recruiter Slam in Stuttgart hat sich Recruiting Coach und feelgood@work-Partner Henrik Zaborowski gegen sechs Konkurrenten durchgesetzt und den Titel geholt. Ähnlich wie beim Poetry Slam präsentierten die Teilnehmer selbstgeschriebene Texte rund um Personalbeschaffung und Arbeitskultur. „Meine Botschaft war schon sehr gesellschaftskritisch und ich war nicht sicher, ob die Leute das wirklich hören wollen“, beschreibt Henrik die Minuten vor dem Auftritt, dem ersten Slam seines Lebens. Darüber wollten wir mehr wissen und haben unseren Sieger interviewt.

 

Henrik, Du hast das typische Recruiting an den Pranger gestellt und kritisiert, dass im Bewerbungsprozess auf den Menschen zu wenig Rücksicht genommen wird. Warum hast Du Dich genau für dieses Thema entschieden?

 

Henrik: Schon seit meinem Studium beschäftige ich mich damit und wundere mich, wie es sein kann, dass Unternehmen nur nach Studium, Noten und Erfahrung auswählen. Den Menschen dahinter schauen sie sich eigentlich nie an. Ich habe als Personalberater oft für Unternehmen gearbeitet, die harte Kriterien hinterlegt haben und das hat mich genervt. Ich glaube auch nicht, dass es sinnvoll ist.

 

Und warum nicht?

 

Henrik: Zum einen, weil diese Kriterien auf Wissen und Erfahrung aus der Vergangenheit aufbauen. Aber nur weil ich im Studium einen Marketingschwerpunkt hatte, heißt das nicht, dass ich super im Marketing bin. Und auch nicht, dass ich nichts anderes kann. Richtig gute Leistungen bringe ich doch dann, wenn mich das Thema interessiert (und ich daher von mir aus motiviert bin, daran zu arbeiten) und ich meine persönlichen Stärken und Talente einsetzen kann. Die Stärke „mit Zahlen umzugehen“ kann ich überall einsetzen, nicht nur im Controlling. Und „gute Kommunikationsfähigkeiten“ kann ich als Pressesprecher, Vertriebler, Führungskraft, Change Manager, Pastor oder Guru einsetzen. Ob ich aber dieses bestimmte Talent habe, lässt sich nicht zwingend aus dem Studium oder der bisherigen Tätigkeit ableiten.

 

Zum anderen leiten wir immer gerne aus der (erfolgreichen) Vergangenheit eines Menschen ab, ob jemand auch in Zukunft erfolgreich sein wird. Das funktioniert aber nicht so einfach. Ich kenne z. B. viele Leute, die im Job gescheitert sind, aber die Gründe dafür nicht direkt bei ihnen lagen. Sie werden dann aber schief angeschaut und man sagt ihnen „Du bist selbst schuld, dass Du gekündigt wurdest oder dass Dein Projekt gescheitert ist.“ Dabei lag es nicht an der Person, sondern an vielen verschiedenen Faktoren. Ich kann das auch für mein eigenes Leben sagen: Ich habe zweimal meinen Job verloren und habe mich gefragt: „Bin ich so ein Idiot? Habe ich so viel falsch gemacht?“ Die Antwort ist: Klar, auch ich habe Fehler gemacht, aber das Ausschlaggebende lag nicht an mir. Die Personaler sehen sich dann die Arbeitszeugnisse an, sehen, dass man gekündigt wurde und stempeln den Menschen sofort ab. Das genau ist die Ungerechtigkeit. Der Lebenslauf sagt doch nichts über die Persönlichkeit aus oder darüber, ob der Mensch mit seinen Fähigkeiten und seinem Charakter zum Team passt.

 

Dass der Lebenslauf für die Personalauswahl nichts taugt, machst du ja auch auf deinem Vlog deutlich. Und dass sich Arbeitgeber die typische Frage sparen können: „Warum haben Sie sich bei uns beworben?“

 

Henrik: Unternehmen wollen immer ein tolles Anschreiben, damit sie sehen, dass sich der Bewerber mit ihnen beschäftigt hat. Und dann stellen sie über Standardkriterien doch nur Kandidaten ein, die nicht perfekt ins Team passen. So läuft es in der Praxis fast immer. Dabei müsste es doch schon reichen, wenn jemand dem Unternehmen sein Interesse als knappen Link über Xing oder LinkedIn schickt. Das wäre doch für mich eine Aussage und ein Grund genug, den Kerl einzuladen. Und dann können wir gemeinsam sehen, was er kann und was nicht.

 

Hast Du konkrete Tipps für Bewerber, wie sie diese Missstände umgehen können?

 

Henrik: Ja, und zwar drei Stück:

1. Bewerber sollten nach Unternehmen suchen, die nicht nach den typischen Standards arbeiten, sondern offen sind und anders ticken. Unternehmen, die auf Augenhöhe arbeiten, so wie einige der Arbeitgeber, die wir auf feelgood@work darstellen.

2. Der beste Weg, um in Unternehmen reinzukommen, die noch nach typischen Mustern arbeiten,ist über persönliche Kontakte. Wenn Du Dich online bewirbst, bist Du schon im Raster drin und der Personaler sortiert Dich nach den Kriterien raus. Über Netzwerken und konkrete Empfehlungen von z. B. Bekannten oder Freunden sind die Chancen viel größer – gerade beim Mittelstand.

3. Wenn Du das Gefühl hast, Du kriegst 1000 Absagen, obwohl Du eigentlich super auf den Job passt, dann mach Dir keine Vorwürfe. Rede Dir nicht ein, dass Du irgendetwas falsch gemacht hast, weil man muss ganz klar sagen: Viele Unternehmen sind zu dämlich, gute Leute zu erkennen.

 

Der Recruiter Slam 2015 in Stuttgart:

 



Video: Uli Stöckle GmbH 


 

Henrik Zaborowski

ist selbstständiger Recruiting Coach und arbeitet eng mit feelgood@work zusammen. Mehr Meinung zu New Work und HR Innovation auch auf seinem Blog.




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